Samstag, 12. August 2017

»Gehe mit dem Wind «

Die Tränen in meinen Augen verschleiern mir die Sicht. Gesenkten Hauptes schaffe ich es dennoch geradeaus zu blicken. Ich sehe all die Steine, die mir meine Mitmenschen in den letzten Jahren vor die Füße schmissen um mich von meinem Weg abzubringen.
Ich blicke traurig zurück und sehe sie, die Umwege die ich dadurch gegangen bin. Als ich mich wieder umdrehe ragt vor mir nun ein gigantischer Hügel auf, ein Hügel aus Steinen.

Ich gehe in mich und frage mich:
»Was will ich? Will ich mich weiter von meinem Weg abbringen lassen? Will ich andere mein Handeln, mein Tun und meine Wege bestimmen lassen? «

Ich atme tief durch, schließe meine Augen und hebe meinen Kopf zur Sonne empor. Die Sonnenstrahlen streichen zärtlich über mein Tränenverschmiertes Gesicht und trocknen es, während die Wärme langsam in meine kalten Knochen zurückkehrt. Die Kälte die ich zuvor gespürt hab beginnt zu verschwinden. Der Wind bauscht sich auf und treibt mich Stück für Stück an den Rand des gigantischen Steinhügels. Ich Blicke empor. Zweifel nagen in mir. Soll ich es wagen? Kann ich über meinen Schatten springen? Der Wind streicht um mich.
Er streicht liebevoll durch meine Haare, gibt mir Mut und flüstert: »Geh empor. Ich werde dich nicht fallen lassen.« 

Doch noch zögere ich. Ich ringe mit mir. In mir tobt ein Kampf. Mut gegen Angst. Angst gegen Mut. Aber plötzlich greife ich empor und ziehe mich Stück für Stück hoch. Die Steine sind spitz, meine Fingerkuppen sind mittlerweile voll Blut. Ich verliere den Halt. Panik erfasst mich. Ich Falle... doch der Wind bauscht sich auf. Er drückt mich an die Wand. Leise vernehme ich 4 Worte. 

»Gehe mit dem Wind «

Also lasse ich los. Ich klammer mich nicht mehr an den Schmerz, nicht mehr an die Verluste, nicht mehr an dem, was sinnlos ist. Ich kämpfe nicht mehr um das was bereits verloren ist, sondern ich fang an zu akzeptieren. Und dann passiert es, ich werde eins, eins mit dem Wind und steige Stück für Stück empor.
Endlich kommt das Ende in Sicht. Ich mobilisiere meine restlichen Kraftreserven und hieve mich empor.

Oben angekommen erlaube ich es mir noch einmal einen Blick zurück zu werfen. Einen letzten Blick auf den Weg, den ich gekommen bin. Einen letzten Blick in meine Vergangenheit.
Kraftlos sinke ich auf meine Knie und erlaube mir endlich all die Tränen zu weinen, die ich mir immer verboten habe. Ich weine um die Menschen die ich verlor, um die sinnlosen Kämpfe die ich focht, ich weine darum, das ich mich immer für mein handeln rechtfertigen musste. Zu guter Letzt weine ich um das Vertrauen das ich auf meinem steinigen Weg verloren habe.
Doch der Wind hüllt mich in eine liebevolle Umarmung und trocknet meine Tränen. Mit seiner Kraft stehe ich wieder auf und drehe mich um. Ich blicke nun in die Richtung, die ich gehen werde. Ich blicke in meine Zukunft. Dieser Weg  ist steinig, aber dennoch erstrahlt er im puren Sonnenschein. Ich atme tief durch. Endlich komme ich langsam zur Ruhe. Mein Kampfgeist ist erneut entflammt und brennt stärker als er es jemals tat. Ich Blicke hinab. Ich weiß, auch dieser Weg wird steinig werden, aber ich weiß auch, das ich alles schaffen kann... denn ich bin nun eins, eins mit dem Wind. Denn ab nun gehe ich mit ihm! »Ich gehe mit dem Wind «